Dann mach es so. Wir müssen ja auch mal endlich weiterkommen hier
. Dem gemeinen Linux-Administrator rollen sich derweil die Fußnägel auf: der Service läuft mit root-Rechten.
Warum ist das so? Warum will der eine Linux-Administrator (ich) den Service nicht als root laufen lassen und der andere (du) doch? Das liegt am ewigen Spiel zwischen Sicherheit und Bequemlichkeit. Es ist immer sicherer, einen Service nicht mit root-Rechten zu versehen, und die hat er immer dann, wenn root ihn startet. Admins haben immer das Szenario vor Augen, das ein Service schlecht programmiert ist, und dass Mr. Evil Hacker das herausbekommen hat. Was passiert eigentlich, wenn man an den Homebridge-Port ein Word-Dokument schickt? Schmiert dann die Homebridge ab? Was passiert, wenn man die Homebridge so geschickt abstürzen lässt, dass sich dabei eine Shell auf dem Rechner von Mr. Evil Hacker öffnet?
Ja, Mr. Evil Hacker hätte dann ein nettes Fenster auf deinem Rechner mit root-Rechten offen. Ein Fensterchen mit root-Rechten ist schon was Geiles. Man kann schicke Sniffer installieren, die den Traffic auf deinem Netzwerk protokollieren. Man kann den Raspi überhitzen. Man kann einfach mal alles löschen. Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt. Mr. Evil Hacker kann so etwas.
Ok, aber wie kommt Mr. Evil Hacker in dein Netzwerk? Denn da müsste er schon sein, um überhaupt den Raspi angreifen zu können. Auch hier sind verschiedene Szenarios denkbar. Beispielsweise ist dein WLAN-Passwort eine Katastrophe. Sowas wie 123456 oder geheim (das ist übrigens das am öftesten benutzte Passwort in deutschsprachigen Ländern). Oder du hast eine Cam, auf die du von außen zugreifen willst. Dazu musst du deine Firewall öffnen. Es gibt so viele Berichte über kaputte Cam-Software. Von der Cam zum Raspi ist es nur ein Katzensprung.
Ich bin jetzt seit fast 30 Jahren Unix-Admin und ja, ich hatte schon Gäste, und ja, die haben auch ordentlichen Schaden verursacht, und ja, die waren hundertmal besser als ich und ja, ich war zu doof. Und was hab ich schon Passwörter geklaut, weil andere zu doof waren. Naja, lange her, da gab's noch keinen echten Cyber-Crime und schon gar keine Cyber-Polizei und über Cyber-Anwälte schweigen wir mal ganz. Die hätten nur lange Gesichter gemacht und kein Wort kapiert.
Dem gegenüber steht die Bequemlichkeit. Hey, das funzt jetzt! Das lassen wir so. Du kannst mir glauben, wie sehr ich das nachvollziehen kann. Wenn also Mr. Evil Hacker nicht in dein Netzwerk eindringen kann, dann wird's schon unmöglich für ihn, deine Homebridge zu attackieren. Also immer schön täglich die WLAN-Passwörter wechseln... warte mal, das ist viel zu unbequem. Das lassen wir lieber. Aber sicher wär's schon. Wer macht das schon. Ich jedenfalls nicht.
Inzwischen ist es ja möglich, WLAN-Passwörter von einem zum nächsten Handy weiterzugeben, ohne sie zu kennen. Lass mich einmal in dein Netzwerk, und wenige Minuten später können das auch meine Kumpels. Du wirst dabei gar nicht gefragt. OK, du hast jetzt verstanden, dass du mich besser nicht in dein Netzwerk lässt, sondern nur deine Kinder, die ihre Handys seit Jahren besser bedienen kann als du es jemals könntest. Dann kommen eben deren Kumpels in dein Netz.
Gut, genug der Schreckensverbreitung. Es ist immer eine Frage der Abwägung. Jetzt lass dein Setup erstmal so und frustfrei laufen. Ich versuche irgendwann mal, mich mit GPIO zu beschäftigen und vielleicht bekomme ich es ja hin, dass die Rechte wieder eingeschränkt werden können. Ich hab in der Diskussion mit dir jedenfalls viel gelernt. Merci dafür
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Stefan