ich für meinen Teil hätte ja Loxone genommen
Bestimmt toll. Die Preise sind gepfeffert, aber für Smarthome wird ja überall ganz schön die Hand aufgehalten. Das Zeugs, das mit Apple kompatibel ist, ist auch preislich kompatibel.
Na schön, seufz, dann machen wir halt mal das Portemonnaie auf. Aber für was? Früher bist du in den Baumarkt und hast einen Lichtschalter gekauft, und wenn du da einen besseren genommen hast, hast du den dein ganzes Leben genutzt und an deine Kinder und Enkel vererbt. Funktionierend wohlgemerkt. Opas Lichtschalter, den er 1936 in seiner Wohnung vorfand, funktioniert bestimmt heute auch noch.
Heute gehst du in den Online-Shop und kaufst einen Lichtschalter, der einem bestimmten Standard folgt (Funk, Bluetooth, WLAN) und ein bestimmtes Protokoll verwendet (Zigbee, Z-Wave, MQTT) und es schwant dir, dass du den zwar auch an Kinder und Enkel vererben kannst, er aber dann garantiert nicht mehr einsetzbar ist. Was auch immer du kaufst, wird in 10 Jahren nur zufälligerweise noch Ersatzteile bieten oder schlichtweg gar nicht.
Ich glaube fest daran, dass zukünftige Standards nicht durch die Smartgeräte-Hersteller gesetzt werden, sondern durch Unternehmen wie Google, Apple und Amazon. Es war schon immer so, dass Hardware zwar was Feines ist, aber dass es letztendlich die Software ist, die die Standards setzt. Microsoft und IBM sind die besten Beispiele dafür. Waren letztere mal irgendwann stinkend reich, sind es heute die anderen. Amazon und Google sind mit die größten Konzerne der Welt, während HP oder Compaq (wer waren die noch mal gleich?) nur noch wenig oder gar nicht mehr stattfinden.
War der größte Computerhersteller in Deutschland mal Nixdorf, ist es heute SAP und die machen Software. Kaufte man Anfang der 90er noch einen IBM-kompatiblen PC, war es Ende der 90er ein Windows-PC. Die Smartphones von Huawei und Samsung werden nicht etwa als Huawei-oder Samsung-Smartphones bezeichnet, sondern als Androiden. Ausnahme ist Apple, die bauen erfolgreich Hardware, aber seien wir ehrlich: niemand würde sich einen Mac kaufen, wenn es nicht MacOS gäbe und das nur dort.
Ich glaube auch nicht an die Sinnhaftigkeit einer Netzwerkverkabelung. In meinen Augen Schnee von gestern. Ich bin ja nicht der einzige, der zur Miete wohnt, und weder ich noch mein Vermieter werden je einen müden Cent in eine nachträgliche Verkabelung stecken - du weißt präzise, was das kostet. Und das gilt sicherlich auch für alle anderen Mieter und Vermieter. Smartgeräte-Hersteller werden sich den Mietermarkt aber nicht durch die Lappen gehen lassen. Kabellos ist also ganz klar angesagt. Und wozu braucht man überhaupt ein Kabel bei dem minimalen Geräte-Traffic (an, aus, heller, dunkler, rauf, runter, schneller, langsamer, etc).
Dass sich Google, Apple und Amazon zu einer Smarthome-Allianz zusammengeschlossen haben, ist sicherlich nicht aus irgendeiner Langeweile entstanden. Apple hat sogar sein HomeKit-Protokoll zur OpenSource-Software erklärt und auf GitHub hochgeladen. Wäre ich der Besitzer von Loxone, würde ich den Laden schließen, mich auf den Bahamas zur Ruhe setzen, mit den Homematic-Typen von nebenan abends grillen und per iPhone das Licht ein- und ausschalten. Gelegentlich kann man da auch mal den Vertrieb von KNX einladen.
Was alles aber immer noch nicht die Frage beantwortet, was man denn jetzt kaufen soll. Das weiß ich auch nicht. Ich selbst setze auf WLAN, Zigbee und HomeKit, aber was heißt das schon? In jedem Fall werden meine heutigen Anschaffungen in zehn Jahren eh nicht mehr funktionieren und ich werde mein Setup parallel zu zukünftigen Entwicklungen Stück für Stück austauschen. Sehr spannend finde ich auch MQTT (offenes Protokoll von IBM) und Node Red (auch von IBM): ich glaube, das wird sich lange halten, wird aber nur im DIY-Bereich von Belang sein.
Prima, viel gequatscht, nix erfahren: das beschreibt den heutigen Smarthome-Markt doch ganz gut. Darüber hinaus kann ich zum Schlotterer-Raffstore gar nichts beitragen.